Schneckerl-Interview III

Montag, 29. August 2005, 11.00, WAC-Platz.
Bevor sich Schneckerl mit seinen Freunden dem Tennis- und Kartenspielen widmete, stand er einer Abordnung von Bad Vöslau bzw. ballesterer fm knapp zwei Stunden für ein Interview zur Verfügung.

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westtribüne.at hat sich in den letzten Wochen darauf konzentriert, die Ehrung anläßlich Deines 50. Geburtstages würdig gestalten zu können. Spielverderber war an diesem Abend leider unsere Mannschaft. Hast Du dich trotzdem freuen können ?


Natürlich. Ich möchte mich auch an dieser Stelle bei allen Fans und beteiligten Personen für die Geschenke + Choreographien bedanken !
Was das Spiel betrifft: Meine Bilanz als Zuschauer bei Austria vs Pasching ist ernüchternd: 0:1, 1:2, 0:2 !
Ich werde mir diese Begegnung in naher Zukunft nicht mehr im Stadion anschauen, scheinbar bringe ich unserer Mannschaft gegen die Oberösterreicher kein Glück...


Noch eine kurze Frage zu deiner Geburtstagsfeier: Ist es bei dem Rahmen geblieben, den Du Dir gewünscht hast, oder sind Typen aufgetaucht, die sich selbst eingeladen haben ? ;-)

Die Feier ist so abgelaufen, wie ich es mir gewünscht habe. Einziger Überraschungsgast war Ulli Spieß, zu dem wir schon jahrelang auf Ski-Urlaub fahren. Ulli feierte kurz nach mir seinen 50er – ich hab das übersehen, meine Frau zum Glück nicht. In Summe waren 140 Personen geladen. Fast schon zuviel. Eine Massenfeier, an der Freunde und Bekannte teilnehmen, wo ich dann mit den Meisten im Laufe des Abend ned amoi ein Wort wechseln kann, wäre nicht in meinem Sinn gewesen.

Du hast einmal gesagt: mit 50 ist endgültig Schluß mit dem Kicken. Keine Freundschaftsspiele mehr, Copa Pele ade – hat sich daran etwas geändert ?

Ja. Ich spiele immer noch sehr gerne selbst Fußball. Wie gerne hängt davon ab, wie meine Achillessehnen beisammen sind. Zuletzt hatte ich kaum Probleme und konnte daher auch bei den Copa Pele-Spielen mit von der Partie sein.
Für 5-6 Spiele pro Jahr treffen sich wir Alten - und der Schmäh dabei läuft wie früher. Zuletzt haben wir Toni Polster und mit Andi Herzog einen Legionär (Bemerkung: die Copa Pele-Mannschaft wird hauptsächlich von Alt-Austrianern gebildet, die Grünen werden als Legionäre bezeichnet) dazu bekommen.


Na wenn Du körperlich fit bist, könnten wir Dich vielleicht doch noch einmal in der Stadthalle spielen sehen ?

Nein, in der Halle spiele ich sicher nicht mehr. Der Palme hat mich übrigens vor 14 Tagen angerufen, schaut so aus als würde es nun doch wieder ein Stadthallenturnier geben. Er hat mich auch gefragt, in welcher Form ich bei den Legenden zur Verfügung stehen würde.

Und ?

Nur als Trainer. Und auch da kommt es darauf an, wann das Turnier stattfindet. Ich werde zum Jahreswechsel 2005-2006 ziemlich sicher nicht in Österreich sein.

Zuletzt hast Du Dir beim Signieren von Deinem Buch „Mein Leben“ (Ueberreuter Verlag, ISBN 3-8000-7135-5) die Finger wund geschrieben.
Wer hatte die Idee dazu ? Wie lange wurde daran gearbeitet ?


Die Idee kam von Toni Huemer und Tom Hofer. Ich war zunächst etwas skeptisch, da ich nicht mit großem Interesse dafür gerechnet hätte. Außerdem gabs ja schon einmal ein Buch „Zwischen Simmering und San Siro“ (von Wolfgang Winheim) über mich. Gearbeitet wurde an „Mein Leben“ etwa ein halbes Jahr.
Mein Beitrag dazu war relativ bescheiden, ich mußte mir nur die Zeit nehmen, mich mit den Beiden zu treffen und ihnen die Geschichten erzählen.


Kommen wir zum Saisonrückblick 2004-2005. Wie würdest Du die Erfolge der Austria einstufen ? War es für einen Klub mit diesem Kader / mit diesem Budget Pflicht, die Gruppenphase zu überstehen bzw. im K.O.-System gegen Bilbao, Saragossa und Parma eine gute Figur zu machen ?

Erwarten konnte man die guten Leistungen nicht. Bilbao und Saragossa bilden zwar nicht die Spitze in der starken, spanischen Liga – aber die Austria hat aufgezeigt, daß sie mit diesen Traditionsklubs mithalten kann.
Bitter war halt, daß ausgerechnet gegen Parma Endstation war, diese Mannschaft war um keinen Deut besser als die beiden Spanier, im Gegenteil.
Aber: Parma spielte mit einer Taktik mit der die Austria nicht zu recht kam.
Gegen Bilbao und Saragossa war Violett nicht Favorit, beide Klubs agierten offensiv. Das kam Austrias taktischer Ausrichtung entgegen. Söndergaard und Kronsteiner legten Wert auf Ordnung und Defensive. Folglich war gegen die spanischen Klubs Platz zum Kontern da, die Rechnung ging auf.
Ganz anders Parma – wie nicht anders zu erwarten, mauerten die abstiegsbedrohten Italiener in beiden Viertelfinalspielen. Austria hatte dem wenig
entgegenzusetzen. Wie schwer sich die Mannschaft tat, wenn es gegen defensiv eingestellte Gegner ging, hat man auch in der Meisterschaft gesehen...


Daraus resultiert unsere nächste Frage. Welche Faktoren waren für Dich für das Scheitern in der Meisterschaft maßgeblich ? Welche Rolle spielte das Magna-Theater, war die EC-Belastung zu groß bzw. inwiefern waren Mannschaft + Trainergespann verantwortlich ?

Fangen wir mit dem Grund an, dem ich die geringste Ausschlagkraft zuordne. Die EC-Belastung. Die medizinische Betreuung, die Ernährung und das Training sind im Profibereich heutzutage so ausgelegt, daß die Spieler den Anforderungen gerecht werden müßten. Austria hatte außerdem keinen Mini-Kader.
Wenn man in der Öffentlichkeit ständig über die Belastungen durch den Europacup klagt, gibt man den Spielern schon im Vorhinein ein Alibi für den Fall, daß es nicht gut läuft - Motto: „wir san müd, aba das hat der Trainer eh schon gesagt“.
Zum Theater im Verein: daß die von Stronach bzw. Personen aus seinem Umfeld getätigten Aussagen Richtung sportliche Leitung ned spurlos vorbei gehen werden, war klar. Die Autorität vom Trainergespann und GM Polster wurde mehrmals untergraben.
Trotzdem war für mich – und ich lege Wert darauf, daß das meine Privatmeinung ist – ein anderer Grund ausschlaggebend: Austria hat auch in der Meisterschaft mit der Europacup-Taktik gespielt und das ging gegen „die Kleinen“, sprich gegen defensiv eingestellte Mannschaften, ins Auge.
Ich weiß natürlich nicht, was Söndergaard und Kronsteiner zu den Spielern in der Kabine gesagt haben, welche Freiräume sie hatten. Ich muß mich an dem orientieren, was ich am grünen Rasen gesehen habe. Eine Austria, die auch gegen Admira, Bregenz und Mattersburg stur auf 4-4-2 gesetzt und defensiv agiert hat.
Das kann in der österreichischen Meisterschaft, wo die Austria praktisch in jeder Partie Favorit ist, nur schwer funktionieren - erst recht in den Heimspielen.
Violett wurde für die Gegner berechenbar, Ideen, überraschende Spielzüge waren Mangelware. Den Platz zum Kontern gab es im eigenen Stadion nicht.


So gesehen haben die EC-Helden, die für die Vorstellungen in der Meisterschaft harte Kritik einstecken mußten, durch die offensichtlich falsche Taktik ein Alibi für den „verschenkten“ Titel ?

Jain. Es gibt keine Garantie dafür, daß die Austria mit einer anderen Taktik die angesprochenen Spiele gewonnen hätte.

Als der Titel mit der Heimniederlage gegen den GAK praktisch futsch war, gab es einen Platzsturm. Inwiefern hast Du Verständnis dafür bzw. wie beurteilst Du das
Engagement der Fans für den Verein (z. B. die Unterschriftenaktion zum Verbleib von Toni Polster) ?


Einen Platzsturm kann ich nicht gutheißen, er bringt nix außer finanziellen Schaden. Trotzdem habe ich auch dafür ein gewisses Verständnis. Die Erwartungen der Fans wurden nicht erfüllt, dazu kommt das Gefühl der Hilflosigkeit gegen das Chaos im Verein. Selbstverständlich halte ich es für positiv und wichtig, wenn sich die Fans engagieren bzw. sich Gedanken darüber machen, was bei der Austria in den letzten Jahren alles schief gelaufen ist.

Ein starker Austria-Präsident, der die Interessen des Vereins wahrnimmt, eine Linie vorgibt und ned nur als Ja-Sager gegenüber Betriebsführer Magna auftritt, wäre gefragt. Könntest Du Dir vorstellen dieses Amt zu übernehmen ?

Gegenwärtig sicher nicht, zu einem Zeitpunkt, wo ich in Pension bin, schon. Als Austria-Präsident könnte ich nicht mehr für den ORF oder die Red Zack-Liga arbeiten, das wäre unvereinbar. Normalerweise ist der Präsident der Chef eines Klubs. Bei der Austria gibt’s diese Position nur mehr, weil das laut Vereinsrecht so sein muß. Entscheidungsträger ist er keiner.

Was fällt Dir zu Peter Langer ein ?

Er ist sehr lange bei der Austria dabei, schon in meiner Zeit als Spieler war er für den Verein tätig. Welche Motive er hat, den Präsidenten zu machen, weiß ich nicht. Die Person Langer zu verteufeln, bringt nix, schon sein Vorgänger, Georg Sattler, war nicht mehr in der Lage, im Verein etwas zu bewirken.
Man muß zur Kenntnis nehmen, daß sich Austria an Magna verkauft hat. Das war ein Fehler, den unser Erzrivale nicht gemacht hat – obwohl die Rapid mit größeren wirtschaftlichen Problemen als die Austria zu kämpfen hatte.


Der Abgang von Toni Polster wurde klubintern nicht kommentarlos hingenommen. Nach einer Phase des Schweigens / der Resignation haben nicht nur die Fans sondern auch Funktionäre wie z. B. Bürgermeister Häupl den Mund aufgemacht und die Demontage des GM angeprangert. Bewirkt hat es freilich nix...

Was soll ich dazu noch sagen ? Der Toni hätte das Zeug dazu gehabt, bei der Austria etwas zu bewirken. Die ersten Erfolge im wirtschaftlichen Bereich haben sich nach ein paar Monaten eingestellt. Der VIP-Bereich ist voll ausgelastet, es wurden Kontakte zu potenten Firmen / Sponsoren geknüpft.
Stronach hat Polster genauso behandelt wie dessen Vorgänger. Er/sie haben nicht die Zeit bekommen, ein Konzept zu realisieren.
Wobei es vollkommen wurscht ist, ob es sich dabei um Manager oder Trainer handelt, Titel sind Schall + Rauch. Der Boß ist nach wie vor nicht bereit, seinen Mitarbeitern bei der Austria zu vertrauen und die Person XY von mir aus ein Jahr lang arbeiten zu lassen UND DANN eine Bilanz zu ziehen.
Statt dessen setzt er weiterhin auf fragwürdige Berater und bringt durch unüberlegtes Handeln Unruhe + Chaos in den Verein.
Beim Toni war es sicherlich auch so, daß schon alleine der Versuch, Stronach von der Sinnhaftigkeit meiner Rückkehr zur Austria zu überzeugen, ned gut für seine persönliche Zukunft als GM war.


Dazu paßt ein Zitat von Ex-Präsident Leopold Böhm in Deinem Buch wie die Faust auf’s Auge: „Neben der Demut schätze ich an Herbert Prohaska seine grenzenlose Ehrlichkeit. Diese wunderbare Eigenschaft hat ihm bei seiner Austria nicht nur Freunde gemacht. Frank Stronach schätzt keine ehrlichen Menschen. Dabei bin ich im tiefsten Herzen davon überzeugt, daß es keinen Menschen gibt, der besser geeignet ist, die Austria zu führen als Herbert Prohaska. Sein Fachwissen, seine Integrität und sein violettes Herzblut qualifizieren ihn dafür“.

Hast Du eigentlich „Angst“ davor, daß Deine Traineruhr langsam ablaufen könnte, bzw. besteht die Gefahr, daß der Fußball für Dich eines Tages uninteressant wird ?

Beides kann ich verneinen. Man soll zwar niemals nie sagen aber ich kann mir nur schwer vorstellen, noch einmal wo als Trainer zu arbeiten. Sportdirektor wäre eine Tätigkeit, die ich mir vorstellen kann – wenn Konzept und Angebot passen.
Dem Fußball habe ich sehr viel zu verdanken, seiner Faszination kann ich mich gar nicht entziehen. Kaum eine Sportart bewegt die Massen so, wie der Fußball, auch in Österreich. Fußball ist jede Woche anders, er bleibt immer interessant. Die Möglichkeit, daß die vermeintlich Großen von den vermeintlich Kleinen bezwungen werden können, gibt’s zwar auch in anderen Mannschaftssportarten, ich finde, daß sie beim Fußball am stärksten ausgeprägt ist.


Kommen wir zur Saison 2005-2006. Wie beurteilst Du den aktuellen Kader, wo liegen die Stärken und Schwächen, auf welchen Positionen siehst Du Handlungsbedarf ?

Der gegenwärtige Austria-Kader ist für österr. Verhältnisse sehr gut, die meisten Positionen sind doppelt besetzt. Ein Problem ist sicherlich, daß auch dieser Kader von mehreren, sportlichen Leitungen zusammengestellt wurde.
Eine Folge davon:
Es gibt viele Spieler, die von den Anlagen her gleich sind. Im Mittelfeld herrscht Linkslastigkeit: Ceh, Mila, Lasnik – auch Vachousek bietet sich für die linke Seite an, wenn er fit ist.
Was mir auffällt: es gibt mit Sionko nur einen wirklich schnellen Spieler (und sein Spiel wird fehleranfällig, wenn er schnell unterwegs ist).
Handlungsbedarf sehe ich im Angriff (wo die Personaldecke relativ dünn ist). Austria braucht einen Stürmer, der auch international gegen jeden Gegner ein Tor machen kann. Sicher ist es schwer, so einen Spieler zu bekommen – mit den finanziellen Möglichkeiten von Stronach und etwas Glück müßte es möglich sein.


Kommen wir zu den Transfers. Wurden die richtigen Spieler geholt bzw. abgegeben ? War für Dich eine Änderung in der Transferpolitik zu erkennen ?

Stöger und Schinkels hatten das Ziel, die Mannschaft zu verjüngen. Das war ein notwendiger Schritt. Detto erachte ich es für richtig, daß die Beiden auf eine offensivere, taktisch flexiblere Austria setzen. Das wird mit diesem Kader allerdings nicht so leicht zu realisieren sein.
Für eine Austria, die erfolgreichen Offensivfußball praktizieren will, braucht man schnelle Spieler. Das fängt schon ganz hinten an. Die Verteidiger müssen viel unterwegs sein, sich in den Spielaufbau einschalten. So sehr ich Ernst Dopsel schätze – nach vorne bringt er zu wenig, Dheedene ebenso.
Im Mittelfeld reicht es nicht, wenn Sionko oder Mila sich nur auf den Außenbahnen bewegen, sie müßten auch öfter in die Halbpositionen gehen. Generell vermisse ich im Mittelfeld, daß unsere Akteure kaum versuchen, den Gegner zu überspielen, Mila ist einer, der es wenigstens ab und zu probiert. Diesbezüglich hoffe ich, daß ein gesunder Janocko an seine Form von vor zwei Jahren anschließen kann, das würde der violetten Spielkultur gut tun !


Weh getan hat der Verlust von Afolabi, er war eine Klasse für sich. Total unverständlich, daß ein Spieler von diesem Kaliber zu einem Verein wie Sochaux wechselt. Er hätte das Zeug dazu, bei einem echten Topklub zu kicken.
Tokic war eine gute Verpflichtung, allerdings kein Ersatz für Afolabi, der ein ganz anderer Spielertyp ist. Ich hätte die beiden gerne zusammen bei Austria gesehen.


Zu den anderen Neuzugängen: Mit Sebo einen jungen Stürmer zu holen, der in der Slowakei Torschützenkönig wurde, war sicher richtig. Er wird allerdings noch Zeit brauchen, um der Mannschaft helfen zu können. Von den Anlagen her – er ist schnell, beweglich - würde er gut zu Rushfeldt oder Linz passen, die für mich klassische Mittelstürmer sind.
Lasnik hat mir bis jetzt gut gefallen, er dürfte die richtige Einstellung zum Geschäft haben. Bei Ceh hätte ich hinterfragt, wieso Brügge einen Spieler aus der Meistermannschaft ziehen läßt, noch dazu so billig (300- bis 400.000 Euro).

Abschließend sei noch gesagt, daß ich es nach ein paar Runden für verfrüht halte, Bilanz über die Neuzugänge zu ziehen.


Was sagst Du zur Tormannfrage ?

Hat sich für mich nicht gestellt. Es war klar, daß Didulica die Nr. 1 und Safar die Nr. 2 der Austria ist. Auch wenn Safar meistens gut gehalten hat, war es nur eine Frage der Zeit, bis der Wechsel über die Bühne geht. Für Safar sicher ein Härtefall, trotzdem bin ich der Meinung, daß sich die sportliche Leitung korrekt verhalten hat.
Bei Didulica wäre interessant zu wissen, ob er noch immer die Klausel in seinem Vertrag hat, die ihm das Einser-Leiberl garantiert. Svetits hat ihm das ja bei seinem Transfer von Ajax zur Austrtia zugesichert.
Weiters hoffe ich, daß sich Joey in Zukunft besser im Griff haben wird. Auswärts wird er sicher provoziert werden...


Betrachten wir das Spielsystem der Austria 2005-2006. Welche Vor- und Nachteile sind zu erwarten ?

Stöger und Schinkels gehen bewußt weg vom starren 4-4-2. Sie versuchen, je nach Gegner zu variieren, flexibel zu sein. Das kann nur ein Vorteil sein und ist meiner Meinung nach der richtige Weg zu einer attraktiv spielenden, offensiv agierenden Austria. Sicher wird es dabei auch Rückschläge geben, siehe Pasching.
Die Gründe dafür haben wir eh schon vorher besprochen – und das Rezept dagegen wäre einfach: Geduld haben, keine Panikeinkäufe tätigen.
Und gerade darin besteht bei einer Austria unter Stronach die größte Gefahr...


Beim Thema System / Taktik möchte ich noch einmal ganz bewußt festhalten, daß es mir fern liegt, das Duo Kronsteiner / Söndergaard für ihre diesbezügliche Arbeit im internationalen Bewerb zu kritisieren – das wäre absolut nicht angebracht, schließlich sind wir jahrelang nicht so weit gekommen wie letzte Saison.
Im Europacup ist es würdig und recht, als Austria gegen offensiv starke Mannschaften eher defensiv zu agieren / auf Konter zu spielen – in der österr. Meisterschaft jedoch nicht.


Zur sportlichen Leitung – wie schätzt Du Stöger und Schinkels ein ? Ist es sinnvoll auf ein Duo zu setzen ?

Fachlich kompetent sind beide, ich traue ihnen den Job zu. Wenn ein Duo werkt, ist es wichtig, daß die Aufgabenverteilung klar abgesteckt ist. Das dürfte der Fall sein, Peter Stöger ist der Chef. Wäre ich bei Austria in der Planung, würde ich Stöger eher als Sportdirektor vorsehen, das würde vom Typ her besser zu ihm passen als die Position des Cheftrainers. Als solcher muß er sich auch in schwierigen Situationen, bei Konflikten innerhalb der Mannschaft, behaupten können.
Das muß er erst lernen, als Spieler wurde er damit nicht konfrontiert.


Stöger soll seinen ursprünglichen Job bei der Austria - Sportdirektor bei den Amateuren - bekommen haben, weil er vom Unruheherd Hojac, pardon Westenthaler, forciert wurde. Kann das jetzt ein Vorteil für die Trainer sein, weil zumindest ein Flüsterer zufriedengestellt sein müßte ?

Westenthaler ist sicher pro Stöger. Daß die beiden eine Freundschaft verbindet würde ich nicht behaupten. Westenthaler brüstet sich damit, daß er mit Stöger
im FavAC-Nachwuchs gespielt hat – der Peter weiß davon nix, außer daß er und Westi altersmäßig, ich glaub, drei Jahre auseinander sind...
Möglich, daß Westenthaler Stronach geraten hat, Stöger zum Cheftrainer zu machen. Ob das die Lebenserwartung von Stöger und Schinkels auf der violetten Bank erhöht, wage ich zu bezweifeln.


Ein Reizwort für die Fans war zuletzt Rotation...

Wenn du Woche für Woche an zu vielen Positionen neue Spieler bringst, wächst auch keine Mannschaft zusammen. Den einzigen „Sinn“ beim übertriebenen Rotieren sehe ich darin, daß alle Kaderspiele bei guter Laune gehalten werden. Das kanns aber nicht sein, die Trainer müssen den unangenehmen Weg gehen...

Ein Spieler hat mit Rotieren keine Freude, Roland Linz. Wie siehst Du seine Entwicklung / sein Verhalten in letzter Zeit ?

Und ich habe keine Freude / kein Verständnis, wenn ein Spieler wie Linz den einfachen Weg (Sturm) gehen will, anstatt zu versuchen, sich bei einem Spitzenklub durchzusetzen ! Die Abwanderungsgedanken nach ein paar Runden waren jedenfalls eine ganz schwache Reaktion.
Talent ist er mit 23 keines mehr, er ist auf dem Weg, ein fertiger Spieler zu werden, ob er es schafft, wird man sehen.
Die Qualitäten dafür wären vorhanden. Meiner Meinung nach müßte er sich noch mehr bewegen, mehr auf die Flügel ausweichen, weitere Wege gehen. Rushfeldt ist der klassische Mittelstürmer, zwei Mittelstürmer nebeneinander machen wenig Sinn.


Eines möchte ich bei Roland Linz noch anmerken – das beschämende Verhalten von Sturm-Präsident Kartnig. Wie allgemein bekannt, hat er versucht, Linz zu verpflichten. Und wie schon in der Winterpause, hat er nicht bei der sportlichen Leitung sondern direkt bei seinem Trauzeugen Stronach angefragt. Ich weiß nicht, ob Kartnig bewußt ist, wie sehr er damit dem Trainer oder Sportdirektor der Austria schadet, indem er sie einfach übergeht. Stronach hatte diesmal einen Geistesblitz und verwies den erstaunten Sturm-Präsidenten an Stöger, der Linz keine Freigabe erteilte...

Wer wird heuer Meister, wer muß in den Keller, welche Mannschaft aus „Deiner“ Red Zac-Liga wird den Aufstieg schaffen ?

Meister wird ein Wiener Klub werden. Salzburg scheint keine Mannschaft mit viel Feuer zu sein. Abschreiben würd ich sie trotzdem nicht. Der GAK mit Schoko Schachner ist ein Phänomen – sie haben einige Schlüsselspieler verloren und spielen trotzdem vorne mit. Für den Titel wird es aber nicht reichen.
Topfavorit auf den Abstieg ist nach dem Katastrophenstart die Admira, das hätte ich mir nicht erwartet. Probleme könnte auch noch Wacker Tirol bekommen.
Ried eher nicht, für den Aufsteiger spricht die Heimstärke und das neue Stadion.
In der Red Zac-Liga ist für mich immer noch Kärnten Favorit. Altach hat mich positiv überrascht, natürlich auch die Austria Amateure, die ja nicht aufsteigen dürfen.


Findest Du es positiv, daß die Amateure in der Red Zac-Liga spielen ?

Auf jeden Fall. Sicher kostet der Spielbertrieb dort mehr als in der Regionalliga Ost. Wichtig ist die „Red Zac-Liga“ für die Akademie-Spieler. Wenn sie ihre Ausbildung abgeschlossen haben und ned gleich den Sprung in die Kampfmannschaft schaffen, bietet ihnen die erste Division eine wesentlich bessere Perspektive als die Ostliga.
Die zweite Leistungsstufe wurde durch die TV-Übertragungen aufgewertet, die Spieler haben die Chance, sich Woche für Woche präsentieren zu können.


Von den Amateuren wechseln wir in den UEFA-Cup 2005-2006 - glaubst Du, daß die Austria an die Erfolge des Vorjahrs anschließen kann ?

Die Hürde Stavanger sollte Austria auf Grund der größeren Klasse überwinden können. In der Gruppenphase wird es darauf ankommen, ob wir gegen stärkere Mannschaften auswärts oder zu Hause antreten müssen. Mit etwas Glück - das man einfach braucht - kann Violett so weit kommen wie in der letzten Saison.

Wie schlimm ist es für Dich, CL-Spiele des SCR analysieren zu müssen ?

Ich sehe es positiv, daß sich eine österr. Mannschaft für die CL qualifiziert hat. Keine Frage, meine Veilchen hätte ich dort 100 Mal lieber gesehen als den Erzrivalen, aber Job ist Job. Ich freu mich auf die Allianz-Arena und auf Italien, auch wenn Juve ned zu meinen Lieblingsklubs zählt – Juve, das ist so ähnlich wie Rapid ;-)

Wie wird sich die CL auf die Leistungen der Grünen in der Meisterschaft auswirken ?

Der Kader von Rapid ist nicht groß, Verletzungen könnten sich in der Meisterschaft bemerkbar machen.
Aber: auch Austria und der GAK spielen international ! Möglich, das Salzburg davon profitiert...


Womit wir schon beim letzten Interview-Punkt sind: wie siehst Du das Engagement von Didi Mateschitz bei den Mozartstädtern ? Wie weit darf der Geldgeber eines Klubs gehen ? Und: wird Mateschitz ähnliche Fehler machen wie Stronach bei uns ?

Ein typisch österreichisches Szenario. Beide Seiten haben Fehler gemacht. Aufgeschlitzte Reifen oder gar Morddrohungen, das geht eindeutig zu weit.
Anderseits hat sich die Klubführung (und auch der Trainer in Interviews) nicht sehr diplomatisch verhalten. Didi Mateschitz hat es nicht notwendig, dem Verein /den Fans die Klubfarben wegzunehmen – die Werbewirksamkeit wäre auch mit den Traditionsdressen gegeben gewesen.
Salzburg hat nicht den Status von Austria oder Rapid, ohne dem Einstieg von Red Bull wäre es für sie schwierig geworden, in der Liga zu überleben...


Mateschitz und Stronach sind zwei komplett unterschiedliche Typen. Ich glaube nicht, daß Mateschitz sich in das Tagesgeschäft einmischt oder zwischenzeitlich Sportdirektor spielt - sein Trainer hat Rückendeckung, Jara kann die Spieler holen, die er will. Natürlich wird auch er am Erfolg gemessen. Aber daß Mateschitz ähnlich agiert wie Stronach und bereits nach ein paar Monaten der sportlichen Leitung die Rute ins Fenster stellt, halte ich für sehr unwahrscheinlich.
Langfristig gesehen wird Salzburg mit diesen finanziellen Möglichkeiten ganz vorne mitspielen. Heuer wird es wohl nicht für den Platz an der Sonne reichen, Jara mußte in sehr kurzer Zeit praktisch einen ganzen Kader aus dem Boden stampfen, das braucht noch Zeit...


Schneckerl, vielen Dank daß Du dir für unsere Fragen Zeit genommen hast !

Bitte sehr, gern geschehn’ !




[Mitgearbeitet an diesem Interview haben: Simon, Werner, Stefan, Michael und Moritz;]



letzte Änderung: 7. 9. 2005

© Austria-Fanclub Bad Vöslau